Wer Gefahrgut versendet, kommt an UN-Nummern nicht vorbei. Sie stehen auf Versandstücken, in Beförderungspapieren und auf den orangefarbenen Warntafeln. Was wie eine willkürliche Zahlenkombination aussieht, ist tatsächlich das wichtigste Identifikationssystem im internationalen Gefahrgutrecht — und Fehler in der Anwendung kosten regelmäßig Geld, Zeit und im Ernstfall Menschenleben.

Was eine UN-Nummer ist — und woher sie kommt

Eine UN-Nummer ist eine vierstellige Zahl zwischen 0004 und derzeit 3560. Sie wird vom Expertenkomitee der Vereinten Nationen für den Transport gefährlicher Güter vergeben und alle zwei Jahre überarbeitet. Vorangestellt wird immer das Kürzel „UN“ — also „UN 1203″ statt nur „1203″.

Die UN-Nummer identifiziert einen Stoff oder eine Stoffgruppe weltweit eindeutig. Egal ob in Deutschland, Brasilien oder Japan: UN 1203 ist immer Benzin. Diese Uniformität ist der eigentliche Zweck des Systems — im Schadensfall müssen Einsatzkräfte, Ersthelfer und Behörden sofort wissen, womit sie es zu tun haben, ohne sich durch Übersetzungen kämpfen zu müssen.

Verwendet wird die UN-Nummer in allen wichtigen Regelwerken: ADR (Straße), RID (Schiene), ADN (Binnenschifffahrt), IMDG-Code (Seeschifffahrt) und IATA (Luftfracht). Die zentrale Nachschlagetabelle ist Tabelle A im Kapitel 3.2 des ADR — sie enthält für jede UN-Nummer alle relevanten Transportanforderungen: Klasse, Verpackungsgruppe, Sondervorschriften, Tunnelbeschränkung und mehr. Einsatzkräfte nutzen UN-Nummern darüber hinaus als eindeutigen Identifikator, um schnell auf Notfallinformationen und Handlungsempfehlungen – etwa in ERICards oder vergleichbaren Informationssystemen – zuzugreifen. Eine falsch deklarierte UN-Nummer ist deshalb nicht nur ein Compliance-Problem, sondern kann im Ernstfall zum konkreten Sicherheitsrisiko werden.

Drei Arten von Einträgen

Nicht jede UN-Nummer steht für einen einzigen Stoff. Das ADR unterscheidet drei Arten von Eintragungen, und genau hier passieren in der Praxis die meisten Fehler.

Eine Einzeleintragung beschreibt genau einen Stoff — zum Beispiel UN 1090 für Aceton oder UN 1789 für Salzsäure.

Eine Sammeleintragung umfasst eine definierte Stoffgruppe. UN 1133 steht für Klebstoffe mit entzündbarem flüssigem Stoff — egal ob Sekundenkleber, Sprühkleber oder Industriekleber. UN 1263 deckt Farben, Lacke, Beizen, Firnis, Politur und Verdünner ab. Innerhalb einer Sammeleintragung gibt es allerdings oft mehrere Untereinträge in Tabelle A, die sich durch Verpackungsgruppe, Flammpunkt, Dampfdruck oder Viskosität unterscheiden. Welcher Eintrag konkret gilt, hängt von den genauen Eigenschaften des Stoffes ab — der pauschale Verweis auf „UN 1133″ reicht in der Praxis nicht aus.

Eine n.a.g.-Eintragung („nicht anderweitig genannt“) fängt Stoffe ein, die in keine spezifischere Kategorie passen — etwa UN 1987 für nicht eigens aufgeführte Alkohole. Hier muss der Absender die technische Benennung des konkreten Stoffes in Klammern ergänzen, sonst ist das Beförderungspapier formal fehlerhaft.

Warum die UN-Nummer mehr ist als ein Etikett

Wer mit einer falschen UN-Nummer arbeitet, baut das gesamte Transportrecht auf einer falschen Grundlage auf. Eine veraltete, verwechselte oder zu pauschal gewählte Nummer führt regelmäßig zu falscher Verpackung, falscher Kennzeichnung und falschen Mengenberechnungen — alle drei sind eigenständige Verstöße gegen das ADR. Bei BALM-Kontrollen ist die fehlerhafte Stoffidentifizierung einer der häufigsten Beanstandungsgründe.

Wichtig dabei: Gefahrstoff ist nicht gleich Gefahrgut. Spülmaschinensalz ist umweltgefährdend — also ein Gefahrstoff —, aber kein Gefahrgut. Lithium-Batterien hingegen sind Gefahrgut, aber im normalen Gebrauch kein Gefahrstoff. Die UN-Nummer ist ausschließlich ein Transport-Identifikator.

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Wo Sie die richtige UN-Nummer finden

Im Idealfall liefert der Hersteller die UN-Nummer direkt mit. Sie steht in Abschnitt 14 des Sicherheitsdatenblatts — zusammen mit Versandbezeichnung, Klasse, Verpackungsgruppe uvm.

Vorsicht ist bei eigenen Mischungen, Abfällen oder unklaren Sammelpositionen geboten. Wer hier aus dem Bauch heraus eine UN-Nummer wählt, läuft Gefahr, einen Stoff falsch einzuordnen. Im Zweifel hilft der Anruf beim Gefahrgutbeauftragten — eine fünfminütige Klärung kostet weniger als ein einziges Bußgeld.

Das sollten Sie mitnehmen

Die UN-Nummer ist das international gültige Identifikationssystem für Gefahrgut. Vergeben von den Vereinten Nationen, alle zwei Jahre aktualisiert — veraltete Nummern führen zu falsch deklarierten Sendungen.

Über die UN-Nummer finden Sie in Tabelle A des ADR die Transportvorschriften. Fehler hier bauen den gesamten Transport auf einer falschen Grundlage auf.

Sammeleintragungen und n.a.g.-Einträge brauchen besondere Sorgfalt. Pauschale Übernahme aus einem Sicherheitsdatenblatt reicht nicht immer aus.

UN-Nummern gelten verkehrsträgerübergreifend — wer multimodal versendet, muss alle relevanten Regelwerke kennen.

Bei Unklarheit: Abschnitt 14 des Sicherheitsdatenblatts und Betreuung durch einen Spezialisten lösen das Problem und sorgen für Sicherheit!